Testbericht zur ILFORD COLOR RETRO Einwegkamera – ist das das echte Leben?
Eines der unerwartetsten Dinge in diesem Jahr 2021 war, dass Ilford (naja, „Ilford“) eine Point-&-Shoot im Retro-Look herausgebracht hat – geladen mit Farbfilm. Ilford? Farbe? Mmmm … verdächtig.
Wir mussten uns diese Kombi genauer ansehen und verstehen, was wirklich unter der Haube dieses neuen kleinen Plastikdings steckt. Macht Ilford jetzt einen Farbfilm? Ist das das echte Leben?
Wir wollten den Ilford Retro Color in einer natürlichen Umgebung testen und sehen, wie er sich in einem der beliebtesten Einsatzszenarien schlägt: ein einfacher Ausflug irgendwohin und ein paar alberne Schnappschüsse. Klar, wir zielen trotzdem auf gutes Licht ab, aber wir fanden auch, dass wir testen müssen, wie der Blitz reagiert.
Wir sind mit Alfredo zu einigen unserer Lieblings-Kameraflohmärkte in Europa gefahren und haben unterwegs ein paar Aufnahmen gemacht – zusammen mit der Person hinter Carmencita Cameras!
DIE KAMERA
Die Kamera verhält sich wie erwartet. Ein Plastikgehäuse mit einer einlinsigen Plastiklinse. Rechne also mit deutlicher Vignettierung und (etwas) Schärfe nur in der Bildmitte. Sie ist ähnlich wie die XP2- und HP5-Kameras, wirkt aber aus irgendeinem Grund billiger – und ziemlich sicher steckt nicht derselbe Ilford hinter diesen Kameras auch hinter dieser hier …
Aus irgendeinem Grund fühlt sie sich unglaublich leicht an, was fürs Reisen sehr praktisch ist, gleichzeitig wirkt sie aber auch etwas klapprig.
Wir müssen zugeben: Das Blitzsystem ist etwas seltsam. Es wird über ein Schiebeelement aktiviert, das aus dem Kamerarahmen heraussteht. Nicht superpraktisch, weil du es aus Versehen wieder reinschieben kannst, wenn du mit Blitz fotografieren willst und nicht dran denkst – aber es geht schon.
DIE FARBEN
Natürlich: Farbe! Das hat uns am meisten interessiert. Wir wollten sehen, ob der Film drin wirklich „echt“ ist oder eher ein Experiment à la Lomo Metropolis oder Silberra Color Film.
Wir müssen zugeben, wir sind ziemlich beeindruckt vom Ergebnis; die Farben wirken aus irgendeinem Grund eher in Richtung Kodak-Farbpalette als Fujifilm – also rechne mit wärmeren Tönen und sattem Kontrast.
Wir müssen zugeben, dass tiefe Schwarztöne ins Blaue kippen – im Gegensatz zum goldenen Ton der Lichter, je nach Lichtsituation.
Außerdem ist es ein sehr gesättigter Film – die Farben sind kräftig und bleiben definitiv auf dem Bildschirm oder auf Prints hängen. Persönlich hätten wir sie gern etwas weniger gesättigt, aber das kannst du in der Nachbearbeitung jederzeit anpassen, wenn du magst.
Hinweis: Für Filmnerds wie uns – der Film ist seitlich mit „400-3“ beschriftet, sehr ähnlich zu dem, wie Lomo-Filme damals aussahen. Was dieser Film wirklich ist, können wir nicht sagen, aber Google hat die Antwort vielleicht – oder auch nicht.
VORTEILE
- Leicht
- Gesättigte Töne
- Warm und kontrastreich
- Der Look (die Ästhetik) der Kamera ist ziemlich cool
NACHTEILE
- Sehr weicher Fokus (sogar in der Mitte)
- Schwacher Blitz – bei 3 m ist der Blitz praktisch weg
- Manchmal sind die Töne zu gesättigt
- Etwas mehr Schärfentiefe wäre schön – nahe Motive sind unmöglich zu fotografieren.
- Wenn du etwas Lens Flare gegen die Sonne bekommst, ist dein Bild hinüber.
UNSER FAZIT
Das ist wahrscheinlich ein perfektes Geschenk für alle, die Spaß haben und für einen Trip oder eine Party fotografieren wollen. Klar, unsere erste Wahl bei Point-&-Shoot-Kameras bleibt immer die Kodak FunSaver oder die Aquatic-Optionen – aber wenn die in deinem Lieblingsshop ausverkauft sind, ist das hier eine solide zweite Option.
Die Leute werden definitiv auf den Look starren, und wenn du beim Blitz aufpasst (denk dran, nah am Motiv zu bleiben!), kannst du diesen Winter auch drinnen ein paar coole Schnappschüsse machen – aber draußen bei ordentlich Sonne spielt die Kamera ihre Stärken aus.
Die „schlechte“ Kombi mit dem Blitz ist: Die Kamera hat ohnehin schon einen sehr weichen Fokus; wenn du näher rangehst, wird’s noch weicher, aber ohne Blitz bekommst du nichts vernünftig belichtet, wenn du nicht nah dran bist. Was für ein wunderbares Paradox.
BONUS: Bei der Recherche für diesen Artikel sind wir auf dieses Video gestoßen, das die 3 beliebtesten Point-&-Shoot-Kameras unter denselben Bedingungen vergleicht. Schau es dir an, wenn du neugierig bist!




















